Seit dem ersten "Hochschulrahmengesetz" 1976 gibt es
die "Gruppenuniversität", also auch offiziell an allen
bundesdeutschen Universitäten beim wissenschaftlichen Personal die Gruppen der
Professoren und der Wissenschaftlichen Mitarbeiter. Die Professoren sind zwar
gegenüber den anderen Gruppen, neben dem Mittelbau die Studierenden und die
Mitarbeiter im technischen und Verwaltungsdienst, extrem privilegiert - aber sie
bestimmen nicht mehr allein, wie es das hervorstechende Merkmal der
Ordinarienuniversität war. Die Gruppe der Assistenten und Wissenschaftlichen
Mitarbeiter hatte sich schon an der Reform nach 1968 aktiv beteiligt und sich
organisiert: in der BAK (Bundesassistentenkonferenz) und in den meisten Ländern
auch in Landesvertretungen. Während sich die Bundesvertretung 1975 auflöste,
blieben in vielen Bundesländern die dortigen Vertretungen aktiv. Die
Umstrukturierung des wissenschaftlichen Personals im Gefolge des HRG und der
daran anknüpfenden Ländergesetze wirbelte gerade den Mittelbau ziemlich
durcheinander und lähmte seine hochschulpolitischen Potentiale. Die Klärung
der Personalstruktur Mitte der 80er Jahre, mehr aber noch der drängender
werdende Reformbedarf der Universitäten, führte bei den aktiven
Ländervertretungen zu der Einsicht, daß es wieder einer bundesweiten
Vertretung des "Mittelbaus" - so nennt er sich seit einigen Jahren -
bedürfe, weil nur so Einfluß zu nehmen ist auf bundespolitische
Entscheidungen. Am 11.Juni 1988 konstituierte sich die neue
"Bundesvertretung Akademischer Mittelbau (BAM)" in Bonn. Sie besteht
satzungsmäßig aus Delegierten der Landesvertretungen nach einem
bundesrats-ähnlichen Schlüssel, die in jährlichen Delegiertenversammlungen
einen Vorstand wählen. Im Vereinigungsprozeß engagierte sich die BAM
nachhaltig in den neuen Bundesländern und bei der Neustrukturierung der
dortigen Hochschulen - leider im Endeffekt ohne die wünschenswerten
progressiven Strukturen durchsetzen zu können. Auf der Delegiertenversammlung
1991 in München wurde die BAM über eine Satzungsänderung um die Vertretungen
aus den Neuen Bundesländern erweitert.
Die BAM hat sich seit ihrer Gründung mit programmatischen Stellungnahmen zur
Personalstruktur und Hochschulreform zu Wort gemeldet. Die bislang vorgelegten Thesen
wurden auf den jährlichen Tagungen und Delegiertenversammlungen beraten und
beschlossen: auf der ersten in Hannover (1988) sollte unter dem Motto
"professionell statt professoral" erst einmal deutlich gemacht werden,
daß Forschung und Lehre ganz entscheidend getragen werden von einem Mittelbau
auf "Funktions- und Qualifikationsstellen". Seine Stellung ist aber
geprägt von einer problematischen Vermischung dieser beiden Aufgaben, weswegen
die BAM in der Folge ein Konzept für den akademischen Mittelbau entwickelt hat,
das - anders als zur Zeit - deutlich zwischen Qualifikationsstellen für den
wissenschaftlichen Nachwuchs und Funktionsstellen für Daueraufgaben und
Dienstleistungen unterscheidet. Dies würde die Qualifikationschancen des
wissenschaftlichen Nachwuchses fördern und die Qualifikationszeiten verkürzen
helfen sowie durch Funktionsstellen die Funktionsfähigkeit und Effektivität
der Hochschulen aufgrund größerer Professionalität. In den Mainzer Thesen
(1989) wird das Profil der "Qualifikationsstellen" genauer
beschrieben: »wissenschaftlicher Nachwuchs« sollen die Promovierenden sein,
die nach Möglichkeit auf Vollzeitstellen die notwendige Zeit für die eigene
Qualifikation zur Verfügung haben müssen; auch die Erhöhung des Frauenanteils
am wissenschaftlichen Personal hängt wesentlich von einer entsprechenden
Bereitstellung von Promotionsstellen ab. Auf der Berliner Tagung (1991)
wurde analog das Konzept der "Funktionsstellen" entwickelt. Auch auf
diesen, also nicht-professoralen Stellen, wird eigenverantwortliche
wissenschaftliche Arbeit geleistet und werden spezifische Teilaufgaben der
Universität wie Lehre, Forschung, Forschungsmanagement und andere
'Dienstleistungen' professionell abgedeckt. Diese Thematik stand auch auf der
letzten Tagung der BAM in Heidelberg (1993) im Mittelpunkt, wo im Blick
auf die Vorschläge zu einer Hochschulstrukturreform über "Management und
Mitbestimmung in der Hochschule" debattiert wurde. Entgegen den
Lösungsversuchen, die eine Effektivierung über Reglementierungen und
administrative Eingriffe propagieren, fordert die BAM die Aufhebung der
Allzuständigkeit der Professorenschaft, eine funktionsgerechte Aufgabenteilung
auf das wissenschaftliche Personal, Stellen für professionelles Management und
die Stärkung demokratischer Mitbestimmungsstrukturen. Denn gerade im
Zusammenwirken von Management und Mitbestimmung liegt die Chance zur
Effektivierung. In den Jahren 1991 und 1992 standen Fragen der Integration der
Neuen Bundesländer im Vordergrund der BAM-Aktivitäten. Auf der Tagung in Weimar
(1992) unter dem Motto "Aufbruch statt Abbruch. Die Vereinigung als
Gebot und Chance für die Erneuerung der Hochschulen in ganz Deutschland"
gab es noch Hoffnung, daß der Vereinigungsprozeß auch Reformmöglichkeit für
das westliche Hochschulsystem eröffnen würde. Entsprechende programmatische
Aussagen finden sich in den Weimarer Thesen. Da diese Hoffnung bislang nicht
erfüllt wurde, bleibt noch viel zu tun für eine BAM, die sich nicht abfinden
will mit den Verhältnissen. Europäischer Einigungsprozeß und
Internationalisierung von Forschung und Lehre sind neue Herausforderungen, denen
sich die BAM durch Kontakte mit Mittelbauvertretungen anderer Länder, vor allem
Österreichs und der Schweiz, zu stellen versucht. Unter dieser Perspektive
bekommen die Vorstellungen der BAM von einer zeitgemäßen Personalstruktur und
Organisation der Hochschulen weitere Aktualität. Darum ist 1994 in Dresden
auch ein Positionspapier zum Anforderungsprofil an Professuren und dem
Qualifikationsweg dorthin entwickelt worden, das zu den herkömmlichen
Voraussetzungen in Forschung und Lehre Qualifikationen in
Wissenschaftsorganisation und Praxisbezug fordert. Die Habilitation in ihrer
bisherigen Form und Funktion ist damit überflüssig.